Der Czernin Verlag trauert um Mélanie Berger-Volle, die am 22.10.2026 im 106. Lebensjahr verstorben ist. Die Widerstandskämpferin und Zeitzeugin widmete ihr langes Leben der Erinnerungsarbeit, um unnachgiebig gegen Faschismus und Nationalsozialismus aufzutreten. Autor Nils Klawitter hat sie im Buch „Die kleine Sache Widerstand“ porträtiert, das im Jahr 2024 im Czernin Verlag erschienen ist.
Melanie Berger wurde am 8. Oktober 1921 in Wien in eine jüdische Familie geboren und in jungen Jahren in der Arbeiterbewegung politisch sozialisiert. So beteiligte sie sich zuerst als Mitglied der „Revolutionären Sozialisten Österreichs“, später der „Revolutionären Kommunisten Österreichs“ (RKÖ) an der illegalen Arbeit gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus.
Im Jahr 1938 emigrierte sie nach dem „Anschluss“ Österreichs über Belgien nach Frankreich, wurde nach Kriegsbeginn jedoch in Paris als Antifaschistin verhaftet und ausgewiesen, einer Internierung konnte sie sich allerdings vorerst entziehen und in Clermont-Ferrand als Dienstmädchen untertauchen. Unter aktiver Aufrechterhaltung ihrer Widerstands-Kontakte landete sie im Jahr 1940 in Mantauban in Südfrankreich, wurde dort 1942 inhaftiert und vom Militärtribunal in Toulouse wegen ihrer Aktivitäten zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach fast einjähriger Haft im Frauengefängnis „Les Baumettes“ in Marseille wurde Melanie Berger in einer spektakulären Aktion durch eine Gruppe der RKÖ befreit, nahm anschließend mit der französischen Widerstandsbewegung Kontakt auf und setzte ihr Engagement in der Résistance fort.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges erhielt Melanie Berger durch Heirat die französische Staatsbürgerschaft, arbeitete als Schaustellerin sowie in der Bekleidungsindustrie und hielt sich einige Jahre in Madagaskar auf. Die erste Ehe endete in Scheidung, Melanie Berger kehrte nach Wien zurück und lernte den Journalisten Lucien Volle kennen, der als führendes Mitglied der Widerstandsgruppe „Lafayette“ in der Résistance berühmt geworden war.
Das Paar heiratete und zog nach Drancy, einer Kleinstadt nördlich von Paris, wo Mélanie Berger-Volle im Gemeindeamt arbeitete. Sie und ihr Mann engagierten sich in verschiedenen Organisationen ehemaliger Widerstandskämpfer wie der ANACR („Association nationale des anciens combattants de la Résistance“). Nach der Pensionierung übersiedelte das Ehepaar 1982 nach Brives-Charensac im Département Haute-Loire und widmete sich gemeinsam bis zum Tod Lucien Volles am 4. August 2012 der Erinnerungsarbeit.
Mélanie Berger-Volle war auch in hohem Alter weiterhin als Zeitzeugin tätig und wurde für ihre Aktivitäten sowohl mit Orden der Ehrenlegion, dem höchsten französischen Verdienstorden, als auch dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich und der Ehrenmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet.
Außerdem wirkte sie am 22. Juni 2024 in Saint-Étienne im Alter von 102 Jahren im Rahmen des Olympischen Fackellaufes anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris als Fackelträgerin mit.
„Ich war schon als Kind ein bisschen rebellisch. Ich konnte nicht verstehen, warum es Arme und Reiche gibt. Ich konnte nicht verstehen, dass es Menschen gibt, die glauben, dass sie besser sind, weil sie eine andere Hautfarbe haben, oder eine andere Religion. Das habe ich nie verstehen wollen. Ich wollte immer die Welt verändern. Ich will sie noch immer verändern, nur leider komme ich nicht mehr dazu.“ Mélanie Berger-Volle in einem Interview aus dem Jahr 2013
„Ich möchte der Jugend sagen: Überlegt euch, ob ihr in einer Demokratie oder einer Diktatur leben wollt. Demokratie heißt Freiheit für alle. Wir brauchen die anderen und wir lernen von den anderen. Wenn man von jemandem verlangt, sich zu ändern, dann muss man mit sich selbst beginnen.“ Mélanie Berger-Volle in einem Interview mit dem Haus der Geschichte Österreich, 13. September 2024
Einzigartige Tiermotive als Postkarten
Die kunstvoll gestalteten Drucksorten sind im ausgewählten Buchhandel und direkt im Czernin Verlag erhältlich.
Begleitend zu unseren literarischen Naturanthologien, herausgegeben von Florian Huber, hat unsere Grafikerin Mirjam Riepl einzigartige und naturgetreue Originalzeichnungen von diversen Tierarten erstellt, die als Postkartensets oder Einzelkarten erhältlich sind.
Jedes Set enthält insgesamt 12 Postkarten, jeweils 2 Stück von sechs unterschiedlichen Tiermotiven.
Alle Einzelkarten und Sets finden sie in unserer Papeterie.
Die Diagonale-Edition ergänzt, erweitert und vertieft Filmreihen und Themenschwerpunkte des jährlichen Festivals mit Essays und Kurztexten zu den einzelnen Filmen.
Die bisherigen Bände der Edition:
2026 Neue Unsicherheiten Österreichischer Dokumentarfilm in den Neunzigerjahren Zum Buch
Die achtbändige Hobbes-Enzyklopädie von Alfred J. Noll bietet eine verlässliche Orientierung durch die vielfältige Hobbes-Forschung und zeigt, wie wichtig es heute noch ist, sich mit dem Schaffen von Thomas Hobbes auseinanderzusetzen.
Die bereits erschienene »Internationale Thomas-Hobbes-Bibliographie« versammelt über 6.000 Titel, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu Hobbes’ Leben und Werk veröffentlicht wurden, womit eine seit Jahren bestehende Forschungslücke geschlossen wird.
Der Bezug der einzelnen Bände der Hobbes-Enzyklopädie ist möglich – alle Bände verweisen aber auf die Literaturangaben in der Internationalen Thomas-Hobbes-Bibliographie.